4.773 Unterschriften
Der Petition wurde nicht entsprochen
Petition richtet sich an: Deutscher Bundestag Gesundheitsausschuss, MinisterpräsidentInnen der Länder
Sehr geehrte Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag,
sehr geehrte MinisterpräsidentInnen der Bundesländer,
alle zwanzig Jahre findet in Deutschland eine Krankenhausreform statt. 1985 hat der Bundestag erlaubt, die Krankenhäuser in Firmen umzuwandeln, die Gewinne erwirtschaften können. Im Jahr 2004 wurden die Fallpauschalen eingeführt, die dazu führten, dass es lukrative und unrentable Behandlungen gibt. Zusammen hat das ein großes Kliniksterben erst in Ostdeutschland und dann auch in vielen westdeutschen Kommunen verursacht. Vor allem private Betreiber spezialisieren sich seither auf ertragreiche Behandlungen. Wir mussten den steilen Aufstieg privater Klinikkonzerne erleben. Die Folgen davon spüren wir heute im gesamten Krankenhausbereich: die Entmenschlichung des Klinikbetriebs mit blutigen Entlassungen, Fließbandarbeit, Unterfinanzierung, weiten Wegen zum nächstgelegenen Krankenhaus sowie chronischem Personalmangel und Überarbeitung bis zur Erschöpfung.
Seit der letzten Reform sind 20 Jahre vergangen. Ein Strukturwandel ist angesichts der Zustände in der stationären Versorgung bitter nötig. Minister Karl Lauterbach hat dazu eine „Revolution“ angekündigt. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bleiben allerdings auf der Strecke, Lauterbach hat sinnbildlich nur die Guillotine aus Frankreich übernommen: mit rigiden Strukturvorgaben für die Krankenhäuser treibt er einen verschärften Klinik-Kahlschlag voran. Bis zu einem Drittel aller Krankenhäuser in Deutschland droht das endgültige Aus, ein weiteres Drittel muss das Behandlungsspektrum stark reduzieren (1 , 2). Besonders betroffen sind Allgemeinkrankenhäuser in ländlichen Räumen. Auch Geburtshilfen bleiben chronisch unterfinanziert und werden weiter geschlossen, obwohl deren Anzahl in den letzten 30 Jahren schon fast halbiert wurde (3 ,4). Diese Entwicklung bedroht Leib und Leben von Millionen Menschen.
Die Grausamkeiten der Regierungspläne verbergen sich hinter Begriffen wie „Leveln“, „Leistungsgruppen“, „Ambulantisierung“, oder „Umwandlungen“ von Krankenhäusern. Blumige Worte wie „Vorhaltepauschalen“ suggerieren, dass stationäre Versorgung bereitgehalten wird. Tatsächlich plant die Ampelregierung ein organisiertes Krankenhaussterben, wie wir es noch nie erlebt haben. Die flächendeckende klinische Versorgung in Deutschland steht damit auf dem Spiel.
Die angebliche Qualitätssteigerung durch Zentralisierungen führt in Wahrheit zu einer Zwei-Klassen-Medizin: Wer im Notfall ein Krankenhaus erreichen kann, wird gut versorgt. Wer es aber aufgrund des weiten Weges nicht rechtzeitig schafft, braucht mitunter gar keine Behandlung mehr.
Für die Beschäftigten gibt es ebenfalls Anlass zur Unruhe: Weit über hunderttausend Stellen sind durch geplante Umwandlungen und Schließungen betroffen. Es drohen weitere Wege zum Arbeitsplatz, noch mehr Bürokratie und Arbeitsverdichtung sowie der Verlust von Ausbildungsplätzen. Schließt das Krankenhaus vor Ort, kehrt das Personal häufig dem Krankenhausberuf ganz den Rücken. So droht mit Lauterbachs Krankenhausreform eine Verschärfung des gravierenden Personalmangels.
Die Krankenhausreform ist kompliziert – was unser Gesundheitswesen braucht, ist allerdings einfach: Wer schwer erkrankt, muss schnell ein Krankenhaus erreichen können. Dort soll sich genügend Personal, das gut qualifiziert und gerecht bezahlt ist, um die Behandlung kümmern und nicht um Papierkram und erst recht nicht um die Rendite von Investoren. Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge.
Wir fordern:
- Abschaffung der Fallpauschalen – Selbstkostenfinanzierung jetzt! Die DRG-Fallpauschalenfinanzierung hat uns verheerende Fehlanreize und überbordende Bürokratie gebracht.
- Renditeverbot in der Krankenhausversorgung! Die Möglichkeit, Rendite zu erwirtschaften und diese dem Krankenhausbetrieb zu entziehen hat zu massiven Privatisierungen geführt.
- Bedarfsorientierte Krankenhausstrukturen, bei denen alle Menschen binnen 30 Minuten ein Allgemeinkrankenhaus mit mindestens den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Intensivmedizin und Basisnotfallversorgung erreichen können.
Sie haben jetzt für die nächsten 20 Jahre die einmalige Gelegenheit, das Blatt zu wenden. Sie werden im Bundestag beziehungsweise im Bundesrat über die Reform entscheiden. Stimmen Sie nicht den aktuellen Reformvorschlägen zu, die unsere Gesundheitsversorgung massiv verschlechtern würden. Setzen Sie sich stattdessen mit aller Kraft für eine flächendeckende, bedarfsgerechte und gemeinwohlorientierte Krankenhausstruktur ein!
(1) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/regierungskommission-legt-krankenhauskonzept-vor.html,
(2) https://schlusskliniksterbenbayern.jimdofree.com/app/download/14736759232/Gro%C%9Fe+Krankenhausreform+-+Bewertung+der+dritten+Empfehlung+der+Regierungskommissison+aktualisiert.pdf?t=1684129808
(3) https://www.unsere-hebammen.de/aktionen/kreisssaalschliessungen/
(4) https://mother-hood.de/informieren/geburtsstationen-deutschland/
Begründung
Klinikschließungen gefährden die Gesundheitsversorgung. Trotzdem werden seit Jahren überall in Deutschland Geburtsstationen, Kinderkliniken, Notaufnahmen und ganze Krankenhäuser dichtgemacht. Gleichzeitig machen Krankenhauskonzerne Milliardengewinne. Mit den aktuellen Reformplänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wird sich die Lage noch verschlimmern: einem Drittel aller Krankenhäuser droht nun die Schließung.
Das Bündnis Klinikrettung, ein bundesweiter Zusammenschluss von Krankenhauspersonal und Bürgerinitiativen, stellt sich gegen den Krankenhaus-Kahlschlag und die Privatisierung der Gesundheitsversorgung. Als Krankenhausbeschäftigte und BürgerInnen wissen wir aus eigener Erfahrung: Wohnortnahe Krankenhäuser sind unabdingbar! Deswegen setzen wir uns für eine flächendeckende, bedarfsgerechte und gemeinwohlorientierte Gesundheitsversorgung mit kommunalen Krankenhäusern ein.
MitunterzeichnerInnen:
- Bürgerbündnis für Gesundheitsversorgung in der Raumschaft Geislingen e.V.
- Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern
Hintergrund:
Bündnis Klinikrettung, Selbstkostendeckung der Krankenhäuser. Kritik am DRG-Fallpauschalensystem und Entwicklung eines alternativen Modells: https://www.gemeingut.org/buendnis-klinikrettung-veroeffentlicht-studie-zur-selbstkostendeckung-als-alternative-zu-fallpauschalen/
Bündnis Klinikrettung, „Ja zur besseren Krankenhausstruktur – nein zu Lauterbachs Leveln. Das Modell des Bündnis Klinikrettung für bundeseinheitliche Krankenhausstruktur im Sinne einer flächendeckenden, bedarfsgerechten Krankenhausversorgung“: https://www.gemeingut.org/wordpress/wp-content/uploads/2023/03/2023-03-13_Buendnis-Klinikrettung_Modell_bedarfsgerechte_Krankenhausstruktur.pdf
Bündnis Krankenhaus statt Fabrik, Das Fallpauschalensystem und die Ökonomisierung der Krankenhäuser – Kritik und Alternativen: https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/index.php?get=download&cfilename=BRwTBQoFUFcdcng8SkcIEBUsIgoEGFhYbXtCDEpQAREEAQE0VFoDAxxJVAU%3D
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Angaben zur Petition
Petition gestartet:
23.05.2023
Petition endet:
31.12.2023
Region:
Deutschland
Kategorie:
Gesundheit
Neuigkeiten
-
Nachricht zu einer abgeschlossenen Petition
am 17.02.2025Liebe Petitionsunterzeichner:innen,
die Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern hat die Petition "Leistungsgruppen-Grouper für Krankenhäuser stoppen – Krankenhäuser retten" gestartet. Bitte unterstützen Sie das Anliegen mit Ihrer Unterschrift:
www.openpetition.de/petition/online/leistungsgruppen-grouper-fuer-krankenhaeuser-stoppen-krankenhaeuser-retten
Das neue Leistungsgruppensystem...mehr anzeigenLiebe Petitionsunterzeichner:innen,
die Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern hat die Petition "Leistungsgruppen-Grouper für Krankenhäuser stoppen – Krankenhäuser retten" gestartet. Bitte unterstützen Sie das Anliegen mit Ihrer Unterschrift:
www.openpetition.de/petition/online/leistungsgruppen-grouper-fuer-krankenhaeuser-stoppen-krankenhaeuser-retten
Das neue Leistungsgruppensystem wird folgende Auswirkungen haben:
• extrem hoher bürokratischer Aufwand für die Krankenhäuser
• deutlich verringertes Leistungsangebot in ländlichen Regionen
• signifikant längere Fahrzeiten zu den Krankenhäusern.
Bitte unterstützen Sie diese Petition. Sie soll dazu beitragen, dass die neu gewählte Bundesregierung die umstrittene Krankenhausreform revidiert. Jede Unterschrift zählt!
Mit solidarischen Grüßen
das Team vom Bündnis Klinikrettung -
Nachricht zu einer abgeschlossenen Petition
am 15.11.2024Liebe Freundinnen und Freunde einer guten Gesundheitsversorgung,
die Krankenhausreform schreitet trotz der baldigen Neuwahlen weiter voran. Das wichtigste Gesetz der Krankenhausreform – das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) – wurde bereits im Bundestag verabschiedet. Am 22. November beraten nun die Bundesländer in einer Bundesratssitzung über das KHVVG. Zwar ist das Gesetz nicht...mehr anzeigenLiebe Freundinnen und Freunde einer guten Gesundheitsversorgung,
die Krankenhausreform schreitet trotz der baldigen Neuwahlen weiter voran. Das wichtigste Gesetz der Krankenhausreform – das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) – wurde bereits im Bundestag verabschiedet. Am 22. November beraten nun die Bundesländer in einer Bundesratssitzung über das KHVVG. Zwar ist das Gesetz nicht zustimmungspflichtig, aber die Länder können von ihrem Recht Gebrauch machen, den Vermittlungsausschuss anzurufen, um dadurch Änderungen am Gesetz zu erwirken.
Die Reform wird verheerende Folgen für die flächendeckende und wohnortnahe Krankenhaus- und Notfallversorgung haben. Deswegen rufen wir – gemeinsam mit GewerkschafterInnen und gesundheitspolitischen Initiativen – zum Protest gegen das KHVVG auf! Wir fordern den Bundesrat dazu auf, das Gesetz nicht durchzuwinken, sondern es in den Vermittlungsausschuss zu schicken und Änderungen im Sinne einer bedarfsgerechten, flächendeckenden medizinischen Versorgung auszuhandeln.
Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, veranstalten wir eine Kundgebung mit einer dazugehörigen, bundesweiten Briefeaktion:
Zeit: Freitag, den 22. November 2024, 08:30 Uhr
Ort: Fußgängerbereich vor dem Bundesratsgebäude (Leipziger Straße 3-4, 10117 Berlin)
Motto: „Lieber Bundesrat, stoppen Sie Lauterbachs Blindflug“
Für die Briefeaktion brauchen wir Ihre Unterstützung! Im Rahmen der Kundgebung wollen wir den Ministerpräsident*innen der Länder klarmachen, dass es überall in Deutschland Kritik an der Reform gibt. Schreiben Sie daher einen an die Ministerpräsident*innen gerichteten kurzen Brief mit Ihrer Kritik an der Krankenhausreform und schicken Sie ihn direkt an uns. Berichten Sie darin gerne auch über die Zustände der medizinischen Versorgung bei Ihnen Ort. Wir überreichen die Briefe gesammelt: Wir stellen sie zu einer Plakatwand zusammen, die wir bei der Aktion vor dem Bundesrat ausrollen. Im Anschluss laden wir die amtierende Präsidentin des Bundesrats Anke Rehlinger ein, die Briefe entgegenzunehmen.
Bitte schicken Sie uns Ihren Brief über maximal eine A4-Seite, gerne mit Fotos von Aktiven oder Aktionen bis zum 19. November als Pdf-Datei an info@klinikrettung.de oder per Post an Gemeingut in BürgerInnenhand, Weidenweg 37, 10249 Berlin.
Alle, die Zeit und Möglichkeit haben, laden wir herzlich ein, zur Kundgebung am 22. November zu kommen. Um besser planen zu können, bitten wir um eine kurze Anmeldung an info@klinikrettung.de.
Mit solidarischen Grüßen
Jorinde Schulz und Laura Valentukeviciute
P.S: Zusammen mit unserem Bündnis Klinikrettung rufen das Bündnis Krankenhaus statt Fabrik und Gesundheit statt Profite zur Aktion auf. -
Nachricht zu einer abgeschlossenen Petition
am 06.11.2024Liebe Unterstützende,
der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat das Bundesministerium für Gesundheit um eine Stellungnahme gebeten, diese finden Sie im Anhang.
Der Petitionsausschuss schließt sich dieser Stellungnahme an und sieht das Petitionsverfahren als beendet an.
Beste Grüße
das openPetition-Team
Debatte
Noch kein CONTRA Argument.