Petition richtet sich an:
Landrat Thomas Barth
Mit dem Leitspruch "Wir sind eine Schule für alle" werben die IGS Schulen - erfolgreich, wie die Bewerberzahlen belegen. Um dieses Versprechen jedoch einhalten zu können, müssen mehr Plätze in dieser Angebotsform geschaffen werden, denn aktuell bleibt dieses Angebot für hunderte Schüler und Schülerinnen im Kreis Mainz-Bingen verwehrt.
Als Eltern beobachten wir mit großer Sorge den anhaltenden Mangel an Schulplätzen an den Integrierten Gesamtschulen in unserer Region.
In den letzten Jahren mussten zahlreiche Kinder trotz Eignung an den bestehenden IGS Schulen abgewiesen werden. (2021: 446 Plätze, 717 Anmeldungen > 271 Absagen; 2022/23: 446 Plätze, 739 Anmeldungen > 293 Absagen; 2024/25: 446 Plätze, 795 Anmeldungen > 349 Absagen; Durchschnittliche Ablehnungsquote 40%, Tendenz steigend). Die IGS Schulen im Kreis, wie z.B. Nieder Olm, Oppenheim und Ingelheim, stoßen regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen.
Viele Kinder landen auf Grund des Mangels an IGS-Plätzen auf einer, für sie falsche Schulform. Kinder mit einem mittleren Lernniveau werden nach Erhalt der Ablehnung durch überfüllte IGSen auf Gymnasien geschickt und stehen dort unter einem enormen Druck. Andere Kinder landen auf einer Realschule plus, nur um dort unterfordert zu sein und nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können. Dazwischen gibt es nichts mehr! Und währenddessen laufen die öffentlichen Gymnasien über, da sie die abgelehnten Kinder der IGSen zusätzlich mit aufnehmen müssen, obwohl diese gar nicht dorthin möchten.
Ein nachträglicher Wechsel ist nur noch zwischen Gymnasium und Realschule plus möglich, da die IGS Schulen in der Regel bis zur 9. Klasse keine Schüler mehr aufnehmen.
Der Fehler liegt im rheinland-pfälzischen Schulsystem und nicht an der Leistung oder dem Können der Kinder, jedoch bleibt genau dieses Gefühl bei den Kindern hängen!
Statt Handlungsbedarf zu sehen, wird es von den Verantwortlichen hingenommen, dass Kinder nach einer Ablehnung an einer IGS in andere für sie suboptimale Schulformen abgeschoben werden. Nur um dann überfordert zu sein und bei einem dann häufig erneuten notwendigen Schulformwechsel, aus ihrer sozialen und gewohnten Struktur herausgerissen zu werden, erneut das Gefühl des Versagens vermittelt bekommen und wieder in einer Schulform landen, die nicht ihren Leistungsmöglichkeiten entspricht!
Die Kinder sind es, die es ausbaden müssen und sich den Herausforderungen Tag für Tag stellen müssen und wir Eltern verzweifeln an der Starrheit des Systems und der Ignoranz der Verantwortlichen.
IGS Schulen bieten alle Abschlüsse an, somit bieten sie für alle Schüler und Schülerinnen ein modernes, inklusives und vielfältiges Angebot. Es gibt nicht nur Gymnasium oder Realschule plus, es gibt auch etwas dazwischen und dies braucht Platz der dringend geschaffen werden muss! Ein ausreichendes, regionales Angebot an IGS Plätzen würde die aktuelle Überflutung der Gymnasien und Realschulen plus vermeiden, langfristig lösen und allen dazwischen eine leistungsgerechte Förderung bieten.
Deshalb fordern wir:
- Schaffung zusätzlicher Klassenzüge an den bestehenden IGSen für die aktuellen hohen Geburtenjahrgänge. Konkret: Ein zusätzlicher Klassenzug, temporär an jeder der 4 IGSen im Landkreis, je nach Bedarfsentwicklung für die Schuljahre 26/27, 27/28, 28/29. Dadurch Schaffung von 120 zusätzlichen Schulplätzen in den Überlastungsjahren im Landkreis in dieser Schulform. (Nicht als Dauerlösung gedacht)
- Schaffung neuer IGS Plätze durch Raumnutzungsoptimierungen sowie Erweiterung durch alternative Lösungen (Überprüfung von möglicher Umwandlung von Räumlichkeiten oder Nutzung freier Räumlichkeiten)
- Optimierung des Bewerbungsverfahrens: Kommunikation und Austausch unter den IGSen - Angabe von mehreren IGSen bei der Bewerbung als Zweit- oder Drittwahl
- Aktives Angebot und Kommunikation mit den aktuell betroffenen Familien
- Bau neuer IGS Schulen an den Brennpunkt-Grenzstandorten Bodenheim/Nackenheim, Region Heidesheim/Klein-Winternheim und somit eine Entzerrung der Überlastung an den Standorten Ingelheim, Oppenheim und Nieder-Olm. Die Vermeidung von Kreisabwanderungen und Überlastung der IGSen kreisfremder Schulen. Folglich auch eine Verkürzung der Schulwege.
- Überprüfung und Transparenz des Schulentwicklungsplans, liegen hier noch die richtigen Daten zu Grunde? Wenn der Bau einer Schule 8 Jahre dauert, kann ein 5-Jahresplan nicht die Grundlage sein. Hier muss langfristiger mit mehr Weitsicht geplant werden oder kurzfristiger gehandelt werden!
Über den konkreten Ausbau der IGS-Plätze hinaus fordern wir perspektivisch die gesetzliche Verankerung der Integrierten Gesamtschulen als gleichberechtigte Schulform mit einem verbindlichen Rechtsanspruch im rheinland-pfälzischen Schulsystem.
IGS-Schulen dürfen kein freiwilliges Angebot oder „Benefit“ einzelner Regionen sein, sondern müssen als fester Bestandteil des Bildungssystems allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen offenstehen.
Jedes Kind sollte ein Recht und die Möglichkeit haben, sich für die individuell passende Schulform zu entscheiden um dort die bestmögliche Förderung zu erhalten. Wir fordern Maßnahmen zur kurzfristigen und langfristigen Korrektur des Schulsystem und zur Erweiterung des Schulplatzangebotes.
Der Missstand ist kein Geheimnis, so wird er bereits im Schulentwicklungsplan 2019 - 2024 des Kreises Mainz Bingen dokumentiert und offengelegt:
"Die Anmeldezahlen an den Integrierten Gesamtschulen im Landkreis bleiben stets hoch, da diese Schulform mit ihren zahlreichen Möglichkeiten und der Leistungsdifferenzierung der Fächer und Kurse bei Eltern, wie auch Schülern, sehr beliebt ist. Da alle integrierten Gesamtschulen im Landkreis Mainz-Bingen auf vier Züge (112 Schüler pro Jahr in den Eingangsklassen) begrenzt sind, kommt es natürlich auch zu einer gewissen Zahl an Ablehnungen. Die abgelehnten Schüler einer IGS entscheiden sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (68,5% im Landkreis Mainz-Bingen) für den Besuch eines Gymnasiums. Viele Schüler werden den Anforderungen allerdings in der Unter- und Mittelstufe nicht gerecht, wodurch die Rückläufereffekte verstärkt werden. Im Durchschnitt reduziert sich somit die Schülerzahl von der 5. bis zur 9. Klasse auf den Gymnasien um 15%. Auf der anderen Seite profitieren die Realschulen plus von diesem Effekt indem diese im Durchschnitt in der 9.Klasse 20 – 30 % mehr Schüler als noch in der 5. Klasse haben."
Quelle: Schulentwicklungsplan 2019-2024
Die Daten über die hohen Geburtenjahrgänge 2015 - 2021 sind seit langem bekannt, neue Kitas wurden aus dem Boden gestampft (alleine 3 Stück in Bodenheim!), Grundschulen umgebaut oder erweitert, aber bei den weiterführenden Schulen scheint diese Information nie angekommen zu sein.
Der Schulentwicklungsplan 2019-2024 prognostiziert diese hohen Zahlen:
"Bei tatsächlicher Realisierung der geplanten neuen Wohneinheiten in den nächsten Jahren verzeichnen die Grundschülerzahlen einen kontinuierlichen Anstieg im Landkreis. Im Schuljahr 2022/23 wird es somit voraussichtlich über 8.100 Grundschüler geben. Dies wird einige Verbandsgemeinden und deren Grundschulen vor eine Herausforderung stellen."
Quelle: Schulentwicklungsplan 2019-2024
Aber wo sind die Maßnahmen die daraufhin notwendig waren und es immer noch sind?
Dies alles ist kein Problem das uns bevorsteht, wir befinden und schon mitten drin und laufen weiterhin auf die Spitze des Kollaps des Systems und dem Ende der Geduld und Nerven der Eltern zu. Wir fordern eine sofortige Priorisierung und aktive Umsetzung von Maßnahmen die in den letzten Jahren versäumt wurden. Aktive Lösungssuche ist gefordert und nicht politisches Aussitzen der Situation auf Kosten der Zukunft unserer Kinder!
Auch das Empfehlungssystem, lässt keine klaren Schlüsse ziehen und offenbart schon den Schwachpunkt des rheinland-pfälzischen Schulsystems.
Es gibt nur noch zwei unverbindliche Empfehlungen: Gymnasium/IGS oder Realschule plus/IGS.
Eine klare Empfehlung für die Mitte (IGS) gibt es nicht.
Man könnte fast vermuten das einem hier schon der Mangel aufgezeigt wird und eine Lösungsempfehlung bei Ablehnung an einer IGS, an die Hand gegeben wird.
Wir fordern ein ausreichendes Angebot an passenden Schulformen für eine bessere Zukunftsperspektive unserer Kinder!
Wir fordern dass die Einreichung einer Petition ernst genommen wird und nicht einfach in der Schublade landet (siehe Petition zum Schulausbau von Herrn Nicolas Krahwinkel).
Jede Unterschrift ist eine Stimme der verzweifelten und aufgebrachten Eltern, die alles geben um ihren Kindern, die für sie bestmögliche Bildung zu ermöglichen und ihnen eine Stimme zu geben. Dies muss ernst genommen werden und sollte auch das Ziel des Kreises sein.
Unsere Kinder verdienen eine echte Schulwahl!
Ich habe zwei Töchter, eine in der dritten Klasse und eine die im kommenden Schuljahr eingeschult wird. Vielleicht kommt eine zusätzliche weiterführende Schule zumindest meiner Jüngeren zugute.