Keine Klarnamenpflicht im Internet — sie schützt nicht Opfer, sie gefährdet sie.

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Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

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Petition richtet sich an: Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert eine gesetzliche Klarnamenpflicht im Internet. Wer online schreibt, soll mit seinem echten Namen erkennbar sein — angeblich um Hass und Hetze zu bekämpfen.

Die Idee klingt verständlich. Sie ist trotzdem falsch. Und gefährlich.

Was die Forschung sagt: Eine Peer-reviewed Studie der ETH Zürich (Cambridge University Press, 2025) zeigt: Gerade einmal 5% der Nutzer produzieren den Großteil aller Hasskommentare. Eine Twitter-Analyse aus 2021 belegt: 99% der Accounts, die nach dem EM-Finale rassistische Beleidigungen verbreiteten, waren bereits vollständig identifizierbar. Die Täter verstecken sich nicht hinter Anonymität. Sie hetzen mit offenem Visier — und werden trotzdem kaum verfolgt.

Das Problem ist nicht die Anonymität. Das Problem sind fehlende Ressourcen in der Strafverfolgung und Algorithmen, die Hass belohnen weil er Klicks bringt.

Wen eine Klarnamenpflicht wirklich treffen würde: Nicht die Hater. Sondern alle anderen.

Menschen, die anonym Hilfe suchen — bei häuslicher Gewalt, psychischen Erkrankungen, in der Sucht. Whistleblower, die Missstände aufdecken. Journalistinnen, die verdeckt recherchieren. LGBTQ+-Personen, die in ihrem Umfeld noch nicht geoutet sind. Dissidenten aus autoritären Staaten, die westliche Plattformen nutzen um zu überleben. Arbeitnehmer, die politisch schreiben ohne ihren Job zu riskieren.

Für all diese Menschen ist Online-Anonymität kein Komfort. Es ist Schutz.

Was tatsächlich wirkt

Experten aus IT-Sicherheit, Digitalrecht und Medienpolitik sind sich einig: Die eigentliche Ursache der Verrohung liegt nicht in der Anonymität der Nutzer — sie liegt in den Empfehlungsalgorithmen der großen Plattformen. X, Facebook und TikTok belohnen Empörung und Hass, weil sie Interaktion erzeugen und damit Werbeeinnahmen. Wer das Problem bekämpfen will, muss dort ansetzen — nicht bei den Nutzern.

Der bereits geltende EU-Digital Services Act verpflichtet große Plattformen zu strikter Moderation und Transparenz. Er wird bisher zu selten und zu zaghaft durchgesetzt. Das wäre der wirksamste Hebel — ohne einen einzigen Nutzernamen zu erfassen.

Wir fordern den Deutschen Bundestag auf:

  1. Jede gesetzliche Klarnamenpflicht abzulehnen und das Recht auf anonyme und pseudonyme Nutzung als digitales Grundrecht ausdrücklich zu schützen.
  2. Den Digital Services Act konsequent gegen große Plattformbetreiber durchzusetzen — insbesondere die Reform toxischer Empfehlungsalgorithmen einzufordern und Bußgelder bei Verstößen tatsächlich zu verhängen.
  3. Strafverfolgungsbehörden personell und technisch so auszustatten, dass Online-Straftaten auf Basis bestehender Ermittlungsmethoden konsequent verfolgt werden können.
  4. Plattformen zur Verantwortung zu ziehen — durch wirksame Moderationspflichten und Transparenzpflichten über algorithmische Entscheidungen — anstatt die gesamte Nutzerschaft zu erfassen und zu registrieren.

Begründung

Weil es nicht um Hass im Netz geht. Es geht darum, wer das Internet kontrolliert.

Eine Klarnamenpflicht klingt vernünftig, solange man nicht genauer hinschaut. Schaut man hin, sieht man: Die Forschung belegt, dass 99% der Menschen, die online hetzen, bereits heute identifizierbar sind. Nicht Anonymität ist das Problem — sondern dass bestehende Gesetze nicht konsequent angewendet werden und Plattformen mit ihren Algorithmen täglich von Empörung profitieren, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

Stattdessen soll jetzt die gesamte Bevölkerung registriert werden. Jeder, der online schreibt, kommentiert oder sich informiert, soll mit seinem echten Namen erfasst werden — und diese Daten sollen zentral bei Plattformen gespeichert werden, die bereits heute regelmäßig Opfer massiver Datenpannen werden.

Das trifft nicht die, die hetzen. Es trifft die Frau, die anonym Hilfe bei häuslicher Gewalt sucht. Den Arbeitnehmer, der politisch schreiben möchte, ohne seinen Job zu riskieren. Den Jugendlichen, der noch nicht geoutet ist. Den Whistleblower, der Missstände aufdeckt. Menschen, für die Anonymität kein Komfort ist — sondern Schutz.

Das geltende Recht schützt anonyme Nutzung bereits ausdrücklich. Diese Petition fordert, dass es dabei bleibt.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/merz-klarnamen-internet-100.html

https://keine-klarnamen-im-netz.de/ https://www.cambridge.org/core/journals/political-science-research-and-methods/article/distribution-of-hate-speech-and-its-implications-for-content-moderation/B17D3608E211A73FF73DDAB45D58E7EC

https://blog.x.com/en_gb/topics/company/2020/combatting-online-racist-abuse-an-update-following-the-euros

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Hood Informatik, Hamburg
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Angaben zur Petition

Petition gestartet: 26.03.2026
Sammlung endet: 25.09.2026
Region: Deutschland
Kategorie: Bürgerrechte

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Neuigkeiten

Neulich habe ich (über den Link zu einer Pressemitteilung) bei https://www.presseportal.de/ die Pressemitteilungen meiner Gewekschaft abonniert. Jedesmal, wenn ich eine Seite dieses Portals aufrufe und dabei angemeldet bin, wird mir vorgschlagen, der AfD zu folgen (und keiner anderen Partei). Hallo, ich bin radikal links, und trotzdem wird mir empfohlen, rechte Hetze zu lesen???!

Man sollte hier unterscheiden, um welche Internet-Nutzung es geht: Ich bin auch für Annonymität bei der "passiven" Nutzung, also Betrachtung von Websites und Lesen in Chat-Foren und Messenger-Diensten. Aber bei der "aktiven" Nutzung, z.B. eigene Website oder Schreiben in Diskussions-Foren und Messenger-Diensten sollten die Leute ihr Gesicht bzw. ihren Namen zeigen. Das ist die Gegenleistung für das Privileg der direkten, weltweiten Verbreitung ihrer Ansichten ohne fachliches Peer-Review.

Warum Menschen unterschreiben

Bei all den Hasskommentaren und bis hin zu physischen Angriffen auf Personen durch "Scherzbolde" und eben Hater wäre es buchstäblich fatal, wenn alle Namen öffentlich gemacht würden.

Weil die Idee der Regierung grundsätzlich falsch ist. Klarnamen für deutsche Nutzer im Netz kann nicht als Ersatz für fehlende und unzureichende Strafverfahren dienen.

Wenns eine Datenbank mit Klarnamen gibt, gibt es auch Kriminelle diese Daten für ihre Zwecke nutzen. Datenlecks sind kein Einzelfall. Friedrich Merz hat noch nie eine Zeile Code geschrieben und hat absolut keine Ahnung. Man kann Personen auch ohne Klarnamen finden und identifizieren. Mit Klarnamen schafft man eine potenzielle Gefahr für den Otto Normalverbraucher. Der 70 jährige Rentner wird dadurch ins Zentrum von Verbrechern gerückt und hat viel mehr zu verlieren als dass die Regierung einen Gewinn daraus ziehen könnte.
Überwachung, Identitätsdiebstahl, Datenlecks, Stalking, Diskriminierung, Zensur, Einschüchterung, Profiling, Gläsernheit, Missbrauch, Hackerangriffe, Repression, Ausspähung, Kontrollverlust, Kommerzialisierung.
Eine Klarnamenpflicht ist somit kein Sicherheitsgewinn, sondern ein digitales Brandbeschleunigungsprogramm für Kriminalität und staatliche Willkür auf Kosten unserer Freiheit.

Ich möchte das Minderheiten und Schwache geschützt bleiben und in einem geschützten anonymen Rahmen sich austauschen und Hilfe erfahren können

Weil ich den Algorithmus schrecklich finde, der Hass und Aufregung befördert.

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