206 Unterschriften
Petition richtet sich an: Bayerischer Landtag
Keine Legitimierung von Pseudo-Wissenschaft, Antisemitismus und Diktatur durch bayerische Hochschulen!
Sehr geehrte Frau Aigner, sehr geehrte Abgeordnete, sehr geehrte Mitglieder des Hochschulrats der Technischen Universität München,
die Technische Universität München (TUM) führt die Kutaisi International University (KIU) in Georgien als strategischen Partner. An dieser Institution betreibt ein Professor ein Forschungszentrum, das sich auf die SS-Einheit „Das Ahnenerbe" bezieht. Die Weltgeschichte wird als apokalyptische Auseinandersetzung zwischen einer „arischen Sonnenreligion" und „semitischen Mondanbetern" dargestellt. Dies geschieht mit dem Logo der KIU auf der offiziellen Webseite – und mit dem guten Namen der TUM dahinter.
Wir fordern: Schluss mit dieser Kooperation. Die KIU ist eine Institution des georgischen Oligarchenregimes. Wer mit ihr zusammenarbeitet, kooperiert nicht mit unabhängiger georgischer Wissenschaft – sondern mit einem Instrument illegitimer politischer Macht.
1. Was an der KIU gelehrt wird: Rassismus als Wissenschaft
Die Inhalte der Arbeit von Professor Aliko Tsintsadze an der KIU sind keine akademische Randnotiz, sondern strukturierter Extremismus:
- Tsintsadze schreibt sich ausdrücklich in die Tradition der SS-Einheit „Das Ahnenerbe". In Interviews erklärt er: „Wenn wir irgendetwas Wichtiges korrigieren müssen, schaue ich in die Arbeiten deutscher Wissenschaftler, weil die Deutschen den Georgiern darin tatsächlich voraus sind – weil sie das in der Hitler-Zeit erforscht haben."
- Seine Theorien hat er von Herrmann Wirth, einem deutsch-niederländischen SS-Ideologen, der einen imaginären Urkampf zwischen Ariern und Semiten konstruierte. Tsintsadze passt diese Narrative für Georgien an: Die angeblichen Urgeorgier werden zu den wahren, arischen Iberern – Iberien ist der alte Name Georgiens – und damit zum Ursprung arischer Hochkultur.
- Er behauptet, semitische Völker hätten ihre kulturellen Errungenschaften von den „arischen Iberern“ gestohlen.
- Tsintsadze bezeichnet Faschismus als „georgisches Wort“ und erklärt, die Swastika stamme aus dem Kaukasus.
- Das „Iberian Cultural Identity Research Center“ propagiert diese Inhalte auf seiner öffentlichen Webseite, die auch das KIU Logo trägt. Tsintsadze hatte einen ausführlichen Auftritt im regimetreuen Propagandasender, hält Vorträge vor dem Plenum der Professorenschaft und wurde bei der Eröffnung seines Zentrums vom Pro-Rektor der KIU als „großartiger Wissenschaftler“ empfohlen.
Dies ist kein akademischer Grenzfall. Dies ist eine strukturelle Rechtfertigung von Gewalt, die direkt an NS-Ideologie anknüpft.
2. Die TUM und ihre Professoren: Mitwisser und Legitimierer
Die Fakten liegen auf dem Tisch. Trotzdem hat die TUM das Thema bis heute geflissentlich ignoriert. Die Universitätsleitung wurde wiederholt schriftlich auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht – eine substanzielle Reaktion blieb aus.
Die folgenden bayerischen Professoren sind mit der KIU assoziiert, in offizieller Funktion als International Advisory Council, und legitimieren die KIU damit öffentlich. Die Professoren:
- Wolfgang Herrmann (TUM Emeritus Präsident & Ehrenpräsident der KIU)
- Claus Christian Carbon (Universität Bamberg)
- Werner Faix (School of International Business & Entrepreneurship SIBE)
- Helmut Friess (TUM Professor & Chefarzt der TUM Klinik rdI)
- Markus Schwaiger (Gründungsdirektor der TranslaTUM & Präsident Bayerische Akademie der Wissenschaften)
Durch die prominente Nennung der TUM als „strategischer Partner“ geben diese Professoren der KIU Glaubwürdigkeit – und adeln damit eine Institution, die Rassenideologie prominent verbreitet.
3. Unsere Forderungen
Wir fordern Sie auf, unverzüglich zu handeln:
- Sofortige Einstellung aller Kooperationen mit der KIU: Alle Partnerschaftsabkommen, gemeinsamen Forschungsprojekte, Studienprogramme und Gastaufenthalte sind sofort zu beenden. Die TUM ist keine geeignete Partnerin für antisemitische Ideologie. Die Verankerung von Tsintsadze zeigt, dass die KIU nicht wissenschaftlichen Prinzipien verpflichtet ist sondern der Willkür des Oligarchen folgt.
- Absage des bevorstehenden Besuchs der KIU-Delegation an der TUM: Dieser Besuch sendet ein fatales Signal und darf nicht stattfinden.
- Öffentliches Bekenntnis zu Wissenschaftsfreiheit und Solidarität: Die TUM ist aufgefordert, ein klares, öffentliches Bekenntnis abzulegen: zur Wissenschaftsfreiheit, zur Würde aller Menschen und zur Solidarität mit jenen georgischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die für Demokratie und freie Forschung eintreten und dafür unter Druck stehen.
- Offenlegung der finanziellen Verflechtungen und Einrichtung eines Solidaritätsfonds: Die TUM und beteiligte Professoren legen offen, welche Gelder geflossen sind. Unseres Erachtens wäre es angemessen, diese Mittel als Zeichen guten Willens in einen Solidaritätsfonds zugunsten von georgischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einzubringen, die von Verfolgung bedroht sind.
Begründung
Autoritäre Affirmation, keine verantwortliche Wissenschaft
Die KIU repräsentiert autoritäre Affirmation, nicht verantwortliche Wissenschaft. Als Institution hat die KIU eine Sonderstellung: Sie ist die einzige Hochschule des Landes, die weder einen Autorisierungs- oder Akkreditierungsprozess durchläuft. Sie steht damit außerhalb der üblichen Qualitätssicherung – und das ist kein Zufall.
Die KIU wurde von Bidsina Iwanischwili, dem eigentlichen Herrscher Georgiens, gegründet und steht unter seiner vollen Kontrolle. Die Etablierung von Tsintsadzes Zentrum an der KIU zeigt, wie diese Abhängigkeit in der Praxis wirkt: Sie erfolgte offenkundig ohne Einbeziehung des International Advisory Councils, dem die genannten deutschen Professoren angehören.
Wissenschaftliche Standards sind an der KIU einer politischen Logik untergeordnet, nicht umgekehrt. Die deutschen Professoren dienen vor allem der Legitimierung, nicht zur Sicherstellung einer verantwortlichen Wissenschaftlichkeit. Interne Zweifler trauten sich keinen Widerspruch. Wer mit der KIU kooperiert, unterstützt ein Instrument unkontrollierbarer politischer Macht.
Es ist inakzeptabel, dass deutsche Professoren an autoritären Vorhaben - ob freiwillig oder fahrlässig - mitwirken, während ihre demokratisch gesinnten Kolleginnen und Kollegen in Georgien von dem Iwanischwili Regime angegriffen, eingeschüchtert und verfolgt werden. Tsintsadze ist ein Symptom eines grundsätzlichen Problems an der KIU und in Georgien unter Iwanischwili.
Wir, Georgierinnen und Georgier, die sich für Demokratie einsetzen, sowie Deutsche, die den weit gediehenen Anfängen wehren wollen, möchten betonen, dass wir keinesfalls gegen Kooperationen mit georgischen Universitäten sind. Im Gegenteil: Im Sinne der jüngsten Stellungnahme der Rektorenkonferenzen aus Österreich, Deutschland, Polen und der Slowakei unterstützen wir eine Intensivierung der Kontakte mit integren georgischen Wissenschaftlern, um die georgische Wissenschaft vor der Willkür des Regimes zu schützen. Die KIU stellt jedoch einen Sonderfall dar.
Die Rolle Bayerns und politischer Verantwortung
Die TUM ist eine staatliche Universität des Freistaats Bayern. Sie wird öffentlich finanziert und trägt öffentliche Verantwortung. Das schließt die Verantwortung ein, keine Institutionen zu legitimieren, die antisemitische Ideologien verbreiten und diktatorischen Regimen dienen.
Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt: Man muss den Anfängen wehren.
Was an der KIU propagiert wird, sind keine folkloristischen Randerscheinungen. Es sind Ideologien, die in Deutschland und dem Rest der Welt während des Nationalsozialismus fürchterliche Vernichtung gerechtfertigt haben. Eine deutsche Eliteuniversität, die mit einer solchen Institution kooperiert, steht komplett auf der falschen Seite der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Der Bayerische Landtag ist aufgefordert, über die Hochschulaufsicht sicherzustellen, dass staatliche Universitäten keine Plattform für Antisemitismus, völkische Pseudo-Wissenschaft oder politische Regime bieten, die Demokratie und freie Wissenschaft unterdrücken.
Wir fordern die TUM auf: Stehen Sie zu Ihren Werten. Zeigen Sie, dass „Excellence“ eine gelebte Verantwortung mit ethischer Verpflichtung ist.
Weiterführende Informationen zum Skandal:
- https://oc-media.org/how-a-german-backed-university-in-georgia-launched-a-nazi-influenced-research-centre/
- https://furchtbarejuristen.substack.com/p/verantwortungslosigkeit-an-der-kiu
- https://www.hrk.de/fileadmin/redaktion/hrk/02-Dokumente/02-02-PM/2025-12-18_CRASP-FHK-HRK-SRK-Uniko_Statement_Georgia.pdf
Angaben zur Petition
Petition gestartet:
15.03.2026
Sammlung endet:
14.09.2026
Region:
Bayern
Kategorie:
Bildung
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