In der aktuellen wohnungspolitischen Diskussion werden möblierte und temporäre Mietangebote häufig als Instrument zur Umgehung der Mietpreisbremse dargestellt. Diese Interpretation ist politisch anschlussfähig – wird der empirischen Evidenz jedoch allenfalls teilweise gerecht.
Ja, der Anteil möblierter und befristeter Angebote an den Wohnungsinseraten in Großstädten ist deutlich gestiegen. Wer daraus jedoch unmittelbar einen Missbrauchstatbestand ableitet, übersieht einen zentralen Punkt: Der starke Anteilsanstieg ist vor allem die Folge eines massiven Rückgangs klassischer Mietinserate, nicht eines explosionsartigen Wachstums dieses Segments – tatsächlich ist die Zahl möblierter Angebot in den sieben größten Städten nur leicht gestiegen, die Zahl temporärer Vermietungen ist sogar leicht zurückgegangen.
Hinzu kommt eine Dimension, die in der politischen Debatte bislang unterbelichtet bleibt: Arbeitsmarkt- und migrationspolitische Realitäten. Möblierte und temporäre Wohnungen erfüllen eine wichtige Funktion für internationale Fachkräfte, Studierende und mobile Erwerbstätige. Für viele dieser Gruppen sind sie nicht „Luxus“, sondern eine notwendige Eintrittsbedingung in den ohnehin stark regulierten und angespannten Wohnungsmarkt.
Die derzeit diskutierten Maßnahmen – etwa eine pauschale Deckelung von Möblierungszuschlägen oder eine starre zeitliche Begrenzung befristeter Vermietungen – sind aus analytischer Perspektive problematisch. Sie setzen an Symptomen an, ohne die Ursachen der Wohnraumknappheit zu adressieren, und drohen, funktionale Marktsegmente zu schwächen, die reale Bedarfe abdecken. Unsere Analyse zeigt, dass der Preisaufschlag bei Möblierungen über die letzten Jahren konstant bei rund 20 Prozent liegt. Eine Kappung bei 5 Prozent würde damit vor allem die Anbieter mit qualitativ guten Angeboten treffen.
Hier der Link zu unserer Kurzstudie:
www.iwkoeln.de/studien/christian-oberst-michael-voigtlaender-mehr-moeblierte-wohnungen-aus-guten-gruenden.html
Quelle: Eine Einordnung von Michael Voigtländer, Institut der deutschen Wirtschaft Köln
auf
www.linkedin.com/in/michael-voigtl%C3%A4nder/recent-activity/all/
weil die neue vorgeschlagene Regelung völlig praxisfern ist. Eine Wohnung möbliert zu vermieten, erfordert viel mehr Investitionen.
Deshalb können die Preise niemals mit einer "Blankovermietung" gleichgesetzt oder verglichen werden. Jede möbliert vermietete Wohnung mit Mobiliar und Ausstattung muss separat bewertet werden.